Eine Bahn mit Geschichte

Oh ja, auch Modellbahnen können eine Geschichte haben, ein anderes Wort für Entwicklung. Von der BAE zu sprechen, ist schon nicht richtig, wir werden von der BAE I, der BAE II und der BAE III zu sprechen haben.

 

Die BAE I

Als ich beschloss, eine fiktive Harzer Meterspurbahn im 0-Maßstab zu bauen, lebte ich – frisch geschieden – allein in einer kleinen Zweizimmerwohnung in Bremen. Darin gab es keinen Platz für eine Anlage, aber zu der Wohnung gehörte ein 2,72 x 4,75 m großer Kellerraum. Nicht viel für Spur 0, wie? Zumindest nicht für eine flächige Inselanlage.

Bei An-der-Wand-entlang  sieht die Sache schon anders aus. Ich machte eine maßstäbliche Zeichnung des Raumes und versuchte, da eine ringförmige Strecke hineinzuzeichnen. Ich experimentierte mit verschiedenen Radien und kam schließlich mit weitgehend 1,33 m und einmal 0,8 m zurecht (es ist ja Schmalspur, nicht vergessen!).

 

Sagte ich ringförmig? Also, als beinharter point-to-point-Anhänger ist für mich eine Bahn, die im Kreise fährt, völlig inakzeptabel. Aber was ist leichter, als aus einem (nicht zu kleinen) Ring eine Strecke mit zwei Endpunkten zu machen!? Man fängt an einer der längeren Wände mit einem Bahnhof an, führt die Trasse dann, ständig steigend, einmal um den Raum herum, und wenn man wieder am Ausgangspunkt ankommt, ist man schon ein gutes Stück höher. Unter Anwendung von Steigungen zwischen 2,5 und 3,3% gelang es mir, ausreichend Höhendifferenz herauszukitzeln, dass der unter dem Endbahnhof liegende Anfangsbahnhof als fiddle-yard genutzt werden konnte. Die Gesamtstreckenlänge von Prellbock zu Prellbock betrug übrigens zu meiner eigenen Verwunderung fast 15 m.

 

  Die "lüttje BAE" seligen Angedenkens, die im Abstellkeller eines Mehrparteien-Wohnhauses entstand und ihn ganz ausfüllte. Viele Teile konnten beim Bau der BAE II wieder verwendet werden: die linke Hälfte von Sonnenberg, die ganze Station Königskrug (die mit eingefügtem Mittelstück zu Schluft wurde) sowie die Kurve zwischen Königskrug und dem Tunnel mit der 33‰-Steigung im Einschnitt.

 

Das ist das, was Tony Koester mal "the lousy space" nannte. Ein feuchter niedriger Keller, der sogar manchmal knietief unter Wasser stand. Aber was soll's! Ich wollte eine Anlage, also baute ich eine.
Bild 1 zeigt den rechten Teil des Bf Sonnenberg mit darunter liegendem Fiddle Yard Braunlage.
In Bild 2 sieht man die Eselsschlucht, die damals am unteren Ende einen Tunnel hatte, damit die Strecke aus der Unterwelt (Braunlage) auftauchen konnte. Rechts von den Fichten, dort wo die Schlucht aufhört, beginnt das Planum von Königskrug.

Bild 3: Links nun der Kreuzungsbahnhof Königskrug mit dem Trafohäuschen als signature structure, hinten geht es mit nur 800mm Radius vor der "Hexenklippe" vorbei gen Sonnenberg. Das Stück mit der Hexenklippe konnte wegen des scharfen Radius bei der BAE II nicht weiter verwendet werden. Ich schenkte es einem befreundeten Modellbahner in Berlin. Was daraus geworden ist, weiß ich allerdings nicht.
Bild 4: Hier schließt sich der Kreis und wir kommen zur linken Hälfte von Sonnenberg, die - im Gegensatz zur rechten - bei der BAE III immer noch vorhanden ist.

Der kleine Güterschuppen ist free lance von OOK, auch wenn er mariazellerbahnmäßig aussieht, aber das Trafohäuschen ist ein Nachbau des originalen Trafohäuschens, das bis vor einigen Jahren am realen Königskrug stand.  Das war die BAE I im Sommer 1993.

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